SPD-Landesparteitag: Interview & Rückblick mit Paula Deufel

27. Oktober 2026

Bildungskongress und SPD-Landesparteitag '26

Kurzinterview mit Paula und Tolga

Tolga: Hallo Paula, du warst ja am 17.10. beim Bildungskongress der BayernSPD in Regensburg. Was hast du dir von dem Kongress erwartet?

Paula: Ich bin von einer Veranstaltung ausgegangen mit viel Input durch die BayernSPD mit anschließenden Aussprachemöglichkeiten mit Mitgliedern.

Tolga: Würdest du sagen, dass deine Erwartungen erfüllt wurden?

Paula: Ich war positiv überrascht von der Vielfalt der Perspektiven! Insbesondere das Einbeziehen von Schülerinnenvertretungen und Lehrerinnenverbänden will ich hier besonders hervorheben. Dadurch hatten Expert*innen und junge Menschen, welche die Situation in den Schulen aus ihrem aktuellen Alltag kennen, Raum ihre Meinung, Wünsche und Ideen einzubringen.

Tolga: Kannst du uns kurz mitnehmen: Wie war dieser Bildungskongress aufgebaut?

Paula: Klar, gern. Der Bildungskongress wurde mit einer Podiumsdiskussion von Expertinnen eröffnet. Anschließend wurde in fünf Arbeitsgruppen zu den fünf Leitanträgen in Workshops gearbeitet. Ziel der Workshops war es gemeinsam mit den Expertinnen, Schüler*innen, Lehrkräften und delegierten, wie auch nicht-delegierten Mitgliedern Änderungsanträge zu den Leitanträgen zu erarbeiten. Dabei ging es aber ganz besonders darum Perspektiven und Ideen, die bisher nicht gesehen oder vergessen worden zu ergänzen.

Tolga: Sehr interessant! Das heißt, dass sich alle gleichermaßen beteiligen konnten - und ihr auch externe Organisationen und Bündnispartner vor Ort hattet?

Paula: Ja, genau. Wie inklusiv so eine Diskussionsrunde dann letztendlich ist, kommt dann natürlich auf die entsprechenden Rahmenbedingungen an: Wer weiß davon? Wer traut es sich, eigene Perspektiven einzubringen? Grundsätzlich wurde das übergeordnete Ziel eine breite Beteiligung von Genoss*innen und Nicht-Mitgliedern zu schaffen.

Tolga: In welchem der Workshops warst du drin, und was habt ihr dort diskutiert und erreicht?

Paula: Ich durfte mich zur Sekundarstufe einbringen, also die Jahrgangsstufen nach der Grundschule. Wie auch die anderen Bereiche ein sehr großes Thema, mit vielen verschiedenen Anknüpfungspunkten. Ein Beispiel für die Dinge, die Jusos im Workshop in den Leitantrag verhandelt haben, ist ein großer Schritt in Richtung Abschaffung von Noten. Wir konnten bei den anderen Teilnehmer*innen des Workshops Zustimmung für den Kompromiss finden, dass Noten erst ab der 9. Klasse gegeben werden sollen. Außerdem haben wir uns für diskriminierungsfreie Sprache eingesetzt: Wir lehnen den Begriff “Brennpunktschule” ab, weil er klassistische Stereotype reproduziert und nichts über den tatsächlichen Bedarf einer Schule aussagt.

Tolga: Wie hast du die Arbeit und Ergebnisse der anderen Workshops wahrgenommen?

Paula: Der Samstag, also der erste Teil des Bildungskongress wurde dann durch eine Vorstellung der Gruppen, durch die Gruppenleiter*innen abgeschlossen. Spannend war hier, dass immer wieder ähnliche, teilweise sehr grundsätzliche Fragen aufkommen, wie sich auch am Sonntag auf dem Landesparteitag wieder zeigte.

Tolga: Was haben wir als Jusos vor Ort erreicht, welche inhaltlichen Impulse konnten wir setzen?

Paula: Allgemein konnten wir mit einem jungsozialistischen Wertekompass manche Ideen kritisch in Fragestellen und zur Diskussion bringen, die vielleicht sonst einfach ungesehen abgenickt worden wären. Wir haben aber auch Fragen und Impulse aus der Auseinandersetzung mit Themen mitgenommen.

Tolga: Die Ergebnisse des Bildungskongress wurden ja mit auf den SPD-Landesparteitag der BayernSPD am nächsten Tag mitgenommen. Hat das geklappt?

Paula: Die Änderungsanträge wurden an die Antragskommission und den Landesvorstand weitergegeben. Einige wurden übernommen, einige wurden auf dem Landesparteitag abgestimmt und haben zu spannenden Debatten geführt - die nicht selten ausgezählt werden mussten, da die Ergebnisse per Akklamation zu knapp waren.

Tolga: Wie ist die Diskussion abgelaufen, fallen dir noch 1-2 Zitate ein?

Paula: Franziska Müller, welche die Jusos Bayern im SPD-Landesvorstand vertritt, war schon am Samstag für den Bereich Ausbildung zuständig und brachte dann auch den Leitantrag zu Ausbildung ein: „Wir wollen eine Ausbildung, die junge Menschen stärkt, statt sie auszubeuten. Eine Ausbildung, die die gesellschaftliche Anerkennung erhält, die sie verdient. Wir wollen eine Ausbildung, die gleiche Chancen bietet – unabhängig von Wohnort, Beruf oder Ausbildungsform”.

Ansonsten war Sophia Waldmann für uns in der Debatte zu frühkindlicher Bildung, also Kita und Primarstufe: „Gute Kitas sind wichtig für die Bildungsgerechtigkeit. Mehr Personal und mehr Zeit pro Kind sind die wichtigste Voraussetzung dafür. Wir wollen, dass Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung ihre Arbeit gut machen können und dabei gesund bleiben“.

Tolga: Sehr cool! Darüber hinaus haben wir als Jusos Bayern auch noch weitere Anträge für den Landesparteitag vorbereitet. Kannst du uns einen Abriss über die gestellten Anträge geben?

Paula: Sehr gern. Wir konnte eine Reihe wichtiger Anträge der Jusos einbringen: Es freut mich, dass ich den Antrag “Inklusive Jugendhilfe – Hilfen aus einer Hand für Kinder mit und ohne Behinderung” einbringen durfte. Das Thema ist besonders aktuell, da im November die letzte Phase der Reform des SGB VIII erreicht wird, die alle positiven Entwicklungen in Richtung Inklusion negiert und mit einer Länderöffnungsklausel es den Ländern überlässt, ob sie diese Reform tatsächlich so umsetzen oder nicht. Umso wichtiger, dass sich nun auch die BayernSPD gegen diesen Vorschlag stellt. Mit dem Antrag “Resolution zum Genozid von Srebrenica” stellen wir uns gegen das Vergessen und für angemessene Erinnerung. Wir haben uns zu den Honorarkürzungen bei Psychotherapie gestellt durch den Antrag “Psychische Gesundheit stärken statt kaputtsparen” und fordern die Kürzungen zurückzunehmen. “The heat is on! It is on the Streets” beschäftigt sich mit kommunaler Klimaanpassung. Darüber hinaus wurden folgende Anträge der Jusos beschlossen: Internationalen Frauentag zum Feiertag machen; Für ein gerechteres Strafrecht; Stoppt die zwei Klassen Jugendhilfe: Verbot der Benachteiligung von unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen!; Keine Aushöhlung von Grundrechten – Digitale Überwachungsbefugnisse stoppen; Privatsphäre und Errungenschaften schützen - Überwachung verhindern!

Tolga: Ich glaube, das zeigt auch nochmal, wie wir uns als Jusos Bayern gleichzeitig mit mehreren Themen und Anträgen beschäftigen können. Würdest du dir eine solche Kombination aus inhaltlicher Veranstaltung und Landesparteitag auch in Zukunft wieder wünschen?

Paula: Auf jeden Fall! Die Workshops haben in jedem Fall dazu geführt, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Leitanträgen aller Gästinnen und Delegierten stattgefunden hat. Darüber hinaus ist zum Beispiel davon auszugehen, dass viele der Genossinnen aus der SPD, die keine Funktionär*innen sind, ohne dieses Format keine Änderungsanträge gestellt hätten - durch diese Workshops aber aktiv dazu angehalten waren Ideen zu verschriftlichen und Bestehendes in Frage zu stellen oder zu kritisieren.

Tolga: Was nimmst du dir für die Zukunft mit? Und was sollten wir als Jusos für die Zukunft beachten, um unsere Anträge und Inhalte weiterhin gut abbilden zu können?

Paula: Es ist klar hervorzuheben, dass die Vertretung von Jusos in den Delegationen essentiell ist, um auf Parteitagen als Verband wirken zu können, Debatten sichtbar zu prägen und eine breite Auseinandersetzung mit den Themen und Strukturen der SPD aus jungsozialistischer Perspektive sicher zu stellen. Daher: Kandidiert für eure Delegationen! Dazu nehme ich für mich aber ganz besonders mit, dass ich besonders FLINTA- und migrantisierte Genossinnen dazu zu empowern möchte, auch solche Räume, wie den Landesparteitag, zu nutzen, um ihre Perspektiven einzubringen.

Tolga: Danke dir Paula für diesen Einblick in zwei erfolgreiche, aber auch anstrengende Tage!

Du hast noch weitere Fragen zum Bildungskongress oder zum Landesparteitag? Dann melde dich gerne per Mail bei Paula unter paula.deufel@jusos-bayern.de.

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